Mittwoch, 23. April 2014

Oettinger Radler: Schöne Etiketten mit gelungener Grafik



Bravo Oettinger! Heute ist Tag des Bieres. Mit diesen beiden Motiven macht Ihr mir mir eine große Freude. Schon lange studiere ich Etiketten der zahlreichen Radler-Anbieter in Super- und Getränkemärkten. Originelles habe ich nie gefunden. Bis jetzt.

Wo genau der Radler-Äquator verläuft, weiß ich nicht. Wir in Hamburg und Norddeutschland nennen das Mischgetränk aus Bier und (weißer) Limonade ja Alsterwasser. Grund dafür soll die Farbe sein. Oh je: Wenn das, was ich aus dem Glas trinke, aussehe wie das, was in der Hamburger Innenstadt gegen den Jungfernstieg schwappt, würde ich wohl kein "Alster" mehr bestellen. Wie auch immer, wer die Namengebung recherchiert, stösst etwa auf diese Version:
In den 20er Jahren war die Alster sauber und klar. Besonders an heißen Tagen war auch damals zuviel Alkoholkonsum nicht konditionsfördernd. Darum wurde Bier in den Lokalen an der Alster mit klarer Zitronenlimonade gemischt. Das Alsterwasser war geboren.
Ob's stimmt? Keine Ahnung. Die Story hört sich zumindest gut erfunden an.

Der Begriff Radler ist ohnehin der gängigere. Wer in Barmbek ein Radler bestellt, kriegt mit großer Wahrscheinlichkeit ein Alsterwasser serviert. Wer aber in Schwabing ein Alster bestellt, bekommt eher einen wirren Blick des Kellners samt bajuwarischen Gebrummes über unverständliche Fischköppe. Die Getränke-Welt ist halt ungerecht.

Aber was, bitte schön, hat nun das Radler mit Radfahren zu tun? Hierzu kursieren zwei Storys. Die erste spielt 1912. In ihren "Erinnerungen einer Überflüssigen" erwähnt Lena Christ in Kapitel 20 "Radlermaßen", was damit als Geburtsstunde des Radlers gelten könnte - eine eher dünne Geschichte.

Viel schöner, glaubhafter und plausibler ist die angebliche Erfindung des Radlers auf der Kugler Alm. 1922 sollen gleich 13000 Radfahrer in das 15 Kilometer außerhalb von München gelegne Ausflugslokal, das einst durstige Eisenbahnbauer versorgte, gefahren sein. Wirt Franz Xaver Kugler war diesem Ansturm nicht gewachsen. Als seine Biervorräte drohten auszugehen, mischte er das Bier kurzerhand mit der noch reichlich vorhandenen Brause und dem raffinierten Hinweis, dass dieses Getränk für Radfahrer besonders geeignet sei, damit sie nicht schwankend nach Hause fahren mussten. Die ganze Geschichte ist hier nachzulesen.

Nun endlich zu den Oettinger-Etiketten. Sie zeigen tatsächlich einen Radler. Ich finde, die Grafiker habe gute Arbeit geleistet. Geschickt haben sie dem Buschtaben R zu einem gestreckt fahrenden Rennradfahrer stilisiert. Seine Arme bilden die Gabel, die Beine werden zum Hinterbau und rollen tut unser Freund auf zwei mit Wappen verzierten Medaillen, die Oettinger wohl mal bei Getränkewettbewerben gewonnen hat - einfach und schön und damit einfach schön. Mit Phantasie und simplen Mitteln ist eine perfekte Illustration entstanden.

Der reinen Lehre einer reduzierten Gestaltung mit größtmöglicher Klarheit haben sich die Gestalter bei der Wahl der Schrifttypen zum Glück widersetzt. Das Etikett ist ein Mix auf verschiedenen Elementen. Los geht es mit schnörkelig-barocker Überschrift "Marke Original" gefolgt vom technisch-klotzigen Brauereinamen, in dem auch noch das e als einziger Buchstabe klein geschrieben ist. Das Wort Radler kommt dann kursiv daher. Und auch eine  kräftige Banderole mit dem Gründungsjahr fehlt nicht.

Nur die Farbgebung der beiden Radlersorten verstehe ich nicht. Das normale Radler mit 2,5 Prozent Alkoholanteil ziert ein grüner Radfahrer. Grün bedeutet für mich soviel wie freie Fahrt, keine Gefahr, harmlos. Auf der Flasche für das alkoholfreie Radler dagegen sehen wir einen roten Radfahrer mit dem dynamischen Schriftzug "Alkoholfrei" zwischen den beiden Reifen. Rot ist eher die Signalfarbe für Gefahr, Achtung, fahr vorsichtig und nüchtern. Komisch, eigentlich müsste Oettinger das umdrehen: Das grüne Etikett gehört auf die Falsche mit alkoholfreiem Radler, die rote Version aufs normale, "verbleite" Radler. Aber wahrscheinlich denke ich viel zu kompliziert.

Wer Bock hat, kann im Internet sein eigenes Bieretikett designen und sich die Flaschen schicken lassen. Hab ich natürlich gleich mal ausprobiert und eine Flasche mit meinem neuen St-Pedali-Logo kreiert. Hat zehn Minuten gedauert. So schön, dass ich in rund 30 Euro in einen 12er-Kasten investiere ist aber nicht geworden. Ohnehin trinke ich zur Zeit lieber Radler.


Beide Oettinger-Sorten habe ich natürlich probiert. Mir schmecken beide. Auch das normale alkoholfreie Bier von Oettinger trinke ich gerne. Es schmeckt sehr süsslich und ist ein wirklich guter Durstlöscher. Zu bemerken wäre noch, dass Oettinger den Ruf einer Billig-Brauerei hat. Auf den Preis trifft das zu. Auf den Geschmack zum Glück nicht.

Und das scheine ich nicht alleine so zu sehen. Mit 578,4 Millionen Liter Jahresabsatz 2013 war Oettinger vor Krombacher (555 Millionen Liter) und Bitburger (403,4 Millionen Liter) die erfolgreichste Brauerei in Deutschland. Darauf erstmal ein alkoholfreies Oettinger Radler. Prost!

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