Dienstag, 19. Dezember 2017

Feiner Zug der Bahn: Endlich reist das Fahrrad im ICE mit

ICE 4 im Haburger Hauptbahnhof mit meinem Testobjekt: ein Bergamont Pedelec
Jahrelang konnten nur Bromptons und andere Falträder im ICE mitgenommen werden. Seit ein paar Wochen ist nun die vierte Generation des Intercity Express zwischen München und Hamburg im Einsatz. Und in dem ist erstmalig der Transport von ganz normale Fahrräder möglich. Applaus bitte! Denn darauf haben viele Fahrradfans schon lange gewartet. Ich habe das neue Angebot der Bahn getestet.
Erstmalig ist die Fahrradmitnahme im ICE möglich
Surrend rollt das neue Flagschiff der DB in den Bahnhof: ein brandneuer ICE 4. Der vordere Triebwagen hat eine überraschend hohe Stirn und sieht wenig windschnittig aus. Kein Vergleich jedenfalls zu den Aerodynamik-Superzügen TGV und Shinkansen aus Frankreich und Japan. Und auch gegen seinen direkten Vorgänger, dem ICE 3, hat der "Vierer" das Nachsehen. Der ICE 3 schafft nämlich 330 km/h; bei Nummer vier ist schon bei Tempo 250 Schluss.

Das muss man sich einmal vorstellen: Würde ein neuer Mercedes oder Porsche langsamer als sein Vorgänger sein, wäre der Aufschrei der Autofreaks groß. Ein neues Modell hat gefälligst schneller zu sein als der abgelöste Typ; das ist schon fast ein Naturgesetz. Gut das die Bahn mit diesem Automatismus bricht. Tempo 250 sind schnell genug, zumal mehr als 300 km/h ohnehin nur auf sehr wenigen Streckenabschnitten möglich ist.

Aber eigentlich wollte ich ja was über Fahrräder im ICE schreiben. Wer am alljährlichen Hamburg - Berlin - Zeitfahren teilnimmt, kennt das Thema. Zur Rückfahrt nach Hamburg mit der Bahn wird das Rennrad zerlegt und kommt in einem Müllsack oder ähnliches. So hält das Bike auch den strengen Blicken des Schaffners stand, weil es keine Mitreidende behindert. Das Zerlegen hat nun ein Ende, zumindest wenn der ICE 4 irgendwann auch die Strecke Hammburg - Berlin bedient.

Nach langjährigem Drängen des ADFC und anderer Fahrradlobbyisten hat der ICE 4 nun ein eigenes Fahrradabteil. Es liegt direkt vorn hinter dem Triebwagen. Oder ganz hinten, je nachdem, in welche Richtung der Zug fährt.
Das Fahrradabteil befindet sich im ersten oder letzten Triebwagen - je nach Fahrtrichtung

Stabile Alubügel sichern Vorder- und Hinterrad
Das Einsteigen über Treppenstufen und die schmale Tür ist alles andere ideal. Da sollte man sein Bike schon gut im Griff haben. Mit meinem 23 Kilo schweren Pedelec hatte ich schon einige Mühe, besonders beim Aufhängen im Fahrradabteil. Das bietet insgesamt Platz für acht Fahrräder. Vier werden hängend verstaut, vier weitere stehend quer zur Fahrtrichtung. Stabile Rohre fixieren entweder Vorder- und Hinterrad oder nur das Vorderrad.

Mich wundert, warum die Bahn nicht nur die Aufhänge-Version montiert. Denn die vier stehenden Räder erschwerden den Durchgang, weil sie weit über die Mitte des Wagons hinausragen. Aber ich will nicht meckern, denn die ICE-Fahrradmitnahme ist insgesamt eine tolle Sache. Und auch nicht zu teuer: 9 Euro kostet das Fahrradticket im Normalfall, mit Bahncard sechs Euro. Im Verhältnis zu den vergleichsweise teuren DB-Fahrkarten finde ich das fair. Wer mit dem Flixbus durch Deutschland reist, zahlt fürs mitreisende Fahrrad ebenfalls neun Euro. Was für ein Zufall.

Fazit: Mit dem ICE-Fahrradangebot wird die Bahn ein ganzes Stück kundenfreundlicher. Nicht nur für Radurlauber, sondern auch für Pendler und Geschäftsreisende in das eine tolle Sache. Ich bin gespannt, wie gut das Angebot in den Sommermonaten angenommen wird. Bei meiner Testfahrt war ich der einzigste Kunde. 

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