Freitag, 14. November 2025

Fix & Fertig-Fahrradselbsthilfe: Treten und Quatschen beim Socialride

Donnerestags in den Zinnwerken: Ab 17 Uhr ist F&F geöffnet. Im Winter alle zwei Wochen

Fahrradselbsthilfen gibt es viele. Ein Schrauberplatz mit Bar, Musik und Diskokugel dagegen ist was Besonderes. Genau so ist Fix & Fertig konzipiert: eine Fahrradselbsthilfe mit hoher Aufenthaltsqualität. Ein Ort mit netten Menschen und engagierten Mechanikern. Nun bietet die Wilhelmsburger Fahrradselbsthilfe auch gemeinsame Ausfahrten an. 

Kevins ist gut zu sehen. Vom Lenker seines schwarzen Reiserades feuert ein runder Scheinwerfer einen sehr hellen Strahl auf den schmalen Weg hinter dem Deich. Warum macht er das nur? Wieso hat er das Licht an? Es ist 19 Uhr und noch sonnig. Und Kevin fährt mit Licht. Viel Licht! So viel Licht, dass die Vorrausfahrenden den hellweißen Kegel am hellichten Tag im Gras vor ihnen tanzen sehen. "Ich mag eben Gadgets", sagt Kevin zur Begründung für sein LED-Feuerwerk. Der Scheinwerfer kommt aus der Edelschmiede SON und ist die beste Fahrradbeleuchtung, die man momentan für Geld kaufen kann.

F&F-Small wheeler im Hafen

Vier Biker haben sich an diesem Mittwoch erstmalig zu einer gemeinsamen Ausfahrt der Fahrradselbsthilfe Fix & Fertig (F&F)  auf den Weg gemacht. Fietjof und Max haben davon via Instagram erfahren und spontan entschieden: "Da fahren wir mit." Geführt wird das Quartett von Jörg, der die Selbsthilfe gegründet hat. Dazu kommt noch Gadget-Kevin. Er gehört zum F&F-Stammpersonal und testet heute seine neue SON-Lichtanlage, die auch Handy aufladen kann. "Akku voll", verkündet Kevin nach rund 15 Kilometer Fahrt. Test bestanden? Nicht ganz, irgendwie macht ein Schalter Probleme.

Ganz schön nerdig, über was hier gequatscht wird. Fahrrad-Details eben. Frietjof interessiert sich für die richtigen Reifenbreiten auf dem Deichverteidigungsweg. "Gerade erst die Mäntel gewechselt", sagt er und strampelt mit seinem Gravelbike von Rose durchs hohe Gras. Dafür sind möglichst breite Pneus eine gute Wahl. Fahrradfreaks können über so etwas stundenlang philosophieren. Aber Bike-Talk bleiben nicht die einzigen Themen an diesem Abend.

So quatschen Max und Jörg etwa über die Kitas in Wilhelmsburg, die ihre Kinder besuchen. Oder die geile Stimmung in der Inselparkarena, wenn dort die Hamburg Towers Bundesliga-Basketball spielen. Genau um solche Dinge soll es bei diesen Ausfahrten gehen, die neudeutsch gerne auch als Social Ride bezeichnet werden. Also Radfahren und sich austauschen.

Action: Thomas auf Pumptack
Mit vier Mitfahrern bei der Erstauflage ist der F&F-Ride vielversprechend gestartet. Er soll jetzt regelmässig stattfinden und ist offen für alle, die gerne im Entdeckertempo gemeinsam Radfahren wollen. "Wäre schön wenn die Teilnehmerzahl wächst und jedes Mal ein anderer Mitfahrer oder Mitfahrerin seine oder ihre Lieblingsstrecke vorstellt", wünscht sich F&F-Gründer Jörg. Kevin hat dazu auch gleich eine Idee: "Lasst uns doch alle Hamburger Fahrradselbsthilfen ansteuern." Warum nicht?

Heute führt die Strecke von den Zinnwerken zunächst durch Wohnstrassen nach Kirchdorf, vorbei an Einfamilienhäusern mit kurz gemähten Rasenflächen, Wilhelmsburger Wappenflagge am Fahnenmast und großem SUV vorm Garagentor. Der Siedenfelder Weg bringt die Gruppe über die Autobahn 1, auf der sich der Verkehr gerade mal wieder zu einem Stau verdichtet hat. In beide Richtungen. Radfahren ist schneller und schöner. Vor allem in Moorwerder.
Small wheeler: Holger mit Brompton

Hier wartet auch die erste technische Herausforderung: die Deichüberquerung. Erst kürzlich wurde der Schutzwall vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung und damit steigender Wasserpegel erneut erhöht. Den Deich direkt im stumpfen Winkel zu erklimmen erfordert idealerweise ein Mounbtainbike mit dicken Stollenreifen. Leichter geht es, die Deichkrone schräg anzufahren und die Steigung auf eine größere Distanz zu strecken. Auf der anderen Seite geht es dann schnell herunter zum Grasstreifen 

Unter der nächsten Autobahnbrücke steht das Wasser fast knietief, das ist typisch bei Flut. Hilft ja nichts. Durch da. Weiter geht's. Erst vorbei an Schafen, dann durch den Hafen. Bei den nächsten Ausfahrt geht es über heftigen "Eisenbahn-Schotter" - wechselnde Strecken, verschiedene Aus- und Einsichten. Je nachdem, welche Tourvariante angesagt ist.

Auch eine "Small-Wheeler-Tour", nur offen für Fahrräder mit 24-Reifen und kleiner, hat die F&F-Truppe bereits absolviert. Thematisch orientierte Ausfahrten bringen Abwechslung. "Vielleicht gibt es bei Eis und Schnee eine Spike-Ausfahrt", stellt Jörg in Aussicht. Idealerweise über die dann zugefrorene Elbe. Oder zumindest einen Baggersee.
Joe: Statt Rennrad, heute Klappi
oeJ

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