Montag, 5. Januar 2015

Schrotträder: Stadtreinigung räumt auf und vergibt Chance

Alles begann mit einem Tweet: "Endstation Schrott: 67 #Schrotträder am Bhf Altona werden abgeflext und entsorgt", stand da kürzlich bei Twitter. Abgesendet hatte die Nachricht die Stadtreinigung HH@SRnews. Klar, das machte mich hellhörig - "abgeflext und entsorgt". Das klingt gut. Das macht die Stadt sauberer. Das klingt aber auch dramatisch. Darum stellte ich Fragen, die in einem interessanten Dialog mit der Stadtreinigung mündete.
Fahrräder die entsorgt werden, da wurde ich neugierig. Also twitterte ich zurück: "Und wo landen die bitte schön?" Die Antwort von @SRnews lies nicht lange auf sich warten: "Schrotträder werden als Schrott stofflich verwertet." Aha, dachte ich. Sie werden also stofflich verwertet. Ich twitterte erneut eine Frage zurück. An dieser Stelle erstmal danke an @SRnews. Dass so schnell auf Fragen reagiert wird, finde ich gut - prima social-media-work. Die SR-Erklärung für stoffliche Verwertung war dann aber allerdings ernüchternd: "Schrott wird in Stahlwerken eingeschmolzen und anschließend zu neuen Produkten aus Stahl verarbeitet = stoffliche Verwertung". Nun denn, Erde zu Erde, Schrott zu Schrott...

Ich finde das ein bisschen schade. Denn dass von der Stadtreinigung völlig wertlose Fahrräder an den Bahnhöfen abgeflext werden, mag ich kaum glauben. Meist sind doch wenigstens ein paar Teile brauchbar. Oder sogar das ganze Rad.
Auf den Fotos der Stadtreinigung sind jedenfalls Fahrräder zu sehen, die in meinen Augen gut aufzuarbeiten wären. Schade um das Material.

Was wir im reichen Hamburg als Schrott bezeichnen, ist in Afrika oder anderen armen Regionen oft noch ein begehrtes Verkehrsmittel. 

Dass, was ich so an den Bahnhöfen sehe, würde ich nicht alles als Schrott bezeichnen. Damit kann man noch was machen. Viele der so genannte Schrotträder sind noch brauchbar und könnten Aktionen wie Räder für Afrika überlassen werden. Die Stadtreinigung steht aber auf dem Standpunkt, dass schon "zu viel Schrott nach Afrika exportiert werde". Wirklich?

Ich finde nicht. Natürlich gibt es dubiose Schrottexporte, die auch die falschen Leute reich machen. Aber in Händen einer bewährten Organisation, würde der Export der Räder durchaus Sinn machen. Wegwerfen und stofflich verwerten kann man die Dinger nach einer Sichtung immer noch. In Wentorf bei Hamburg engagiert sich übrigens Hans-Hennig Schröder für die Sammlung nicht benötigter Räder und übergibt sie dem Verein Fahrräder für Afrika.

Immerhin 3500 bis 4500 Fahrradleichen werden pro Jahr allein in Hamburg auf diese Weise verwertet - eine riesige Zahl. Jeder Vorgang verursacht dabei nach Auskunft der Stadtreinigung 30 bis 40 Euro Kosten. Eine saubere Stadt ist offenbar auch eine teure Stadt.

Ich wünsche mir, dass die Verantwortlichen einmal prüfen, ob den angeblichen Fahrradleichen nicht ein zweites Leben in Afrika oder sonstwo zu ermöglichen ist. Engagierte Vereine und Aktivisten, die "Schrottrad"-Exporte nach Afrika organisieren, gibt es genug. Falls nötig bin ich gerne bei der Kontaktvermittlung behilflich.

Und noch etwas: Schon mehrfach habe ich auf Schrottplätzen im Hafen "Fahrradleichen" mit den roten Zetteln gesehen. Das sind eigentlich genau die Räder, die die Stadtreinigung der "stofflichen Verwertung" zuführt. Wie kommen die da hin? 

Wo die abgeflexten Räder aufbewahrt werden, mochte mir die Satdtreinigung bei einem Anruf in der Zentrale nicht verraten. Schade eigentlich, denn so entsteht leider ein wenig der Eindruck der Geheimniskrämerei.

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