Mittwoch, 29. April 2026

Magura HS 33 am BMX: Umbau mit Hürden


Skatepark-Warrior: Dank Magura HS 33 am Vorderrad bremst das BMX wie der Teufel

Freesytyler fahren ohne Bremse am BMX. Verzögert wird mittels "footslam". Ich konnte das nie und will es auch nicht mehr lernen. Im Gegenteil: Ich wünsche mir am BMX richtig giftige Vorderradstopper. Und da ich sehr günstig eine Magura HS 33 kriegen konnte, war das Projekt reine Formsache. Oder doch nicht?

Moderne BMX für Race-Profis haben zumindest hinten eine (Scheiben)bremse. Fürs Freestyle entfällt meist auch diese. Ich fahre mit BMX zum Spaß im Park rum, in der Skateanlage und auf den Pumptrack. Und dafür schätze ich gute Bremsen sehr. Vor allem auch, wenn meine Kinder zur Schule mit dem BMX fahren wollen. Der Zufall wollte es, dass ich noch ein olivfarbenes BMX runstehen hatte, bei dem die vordere Bremse fehlte - ein ideales Projekt fürs Magura-Brakepimping. 

U-Brake- höher als Canti-Bolzen

An den Sitzstreben des Versuchs-BMX war noch die originale U-Brake montiert. Nach kurzer Zeit war sie frisch eingestellt und einsatzbereit. Auf Sand greift sie so gut zu, dass die bei beherztem Hebelzug das Hinterrad blockiert. Soviel zum schlechten Image der U-Brake. Ich kann das nicht bestätigen. Richtig justiert steht sie einer Canti- oder V-Brake kaum nach. Klar, sie erfordert kräftiges Zupacken mit der Hand, aber dann bremst sie auch kräftig.

Vorn war die U-Brake komplett abmontiert; kein Griff, keine Hebelarme, keine Züge, nichts: Nur die beiden U-Brakebolzen ragten nackt aus der Gabel. Diese sind etwas dicker als die normalen Cantisockel und - noch wichtiger - sie sind oberhalb der Felge montiert. Darum fällt eine HS 33 als U-Brake-Ersatz eigentlich aus, denn diese wird so montiert, dass die Bremskolben oberhalb der Befestigung im runden Adapter (Kolbenschelle) sitzen. Am U-Brakesockel muss diese unterhalb angebracht werden, damit die Kolben die Beläge an die Bremsflanke drücken können. 

Stellprobe Adapter upside down

9 mm Bohrer zur U-Brake-Anpassung

Findige Leute berichten in Foren, dass man einfach den Adapter umdreht und so die Kolben nach unter gerichtet montieren kann. Wirklich? Versuch macht klug. Zuerst bohre ich das Langloch der Kolbenschelle mit einem neun Millimeter Bohrer auf. Cantisockel sind rund einen Millimeter dünner als U-Brakesockel. Danach passt die Schelle saugend auf den Bolzen und wird dort mit einer M6-Zylinderschraube fixiert. Und? Scheiße! Die Bremskolben sitzen zu hoch. Damit auch die Beläge. Sie greifen statt auf die Felgenflanken auf den Reifen. Ich könnte jetzt wie in den Foren beschrieben das Langloch der Kolbenschelle auffeilen, aber das ist mir irgendwie zu mühseelig. Wenn die Bremse nicht zur Felge kommt, dann muss eben die Felge zur Bremse aufsteigen. Darum vertiefe ich mit meiner Flex die Ausfallenden der Gabel um rund zwei Zentimeter.

Erweiterte Ausfallenden an der Gabel

Durch diesen chirugischen Eingriff wandern die beiden Achsenden höher in die Gabel. Oder anders ausgedrückt: Das Vorderrad rückt etwas näher zur Gabelkrone. Luft ist dort jedenfalls genug. Und siehe da, Operation gelungen. Nachdem ich das Rad festgeschraubt habe, sitzen die beiden Bremskolben in genau der richtigen Position zu den Felgenflanken. Klasse! Bedenkenträgern, die rumflexen an einer Gabel für eine dumme Idee halten, sei gesagt: Eine BMX-Forke ist ein sehr robustes Bauteil mit überall reichlich Fleich. Da wird nichts brechen oder verbiegen. 

Montierte HS 33 mit Montageplatte

Aber jetzt zurück nach oben, zur Bremsaufnahme. Trotz aufgeschobener Montageplatte, Zahnscheibe und sehr hohem Anzugsmoment verdreht sich die Halterung wenn die Bremse stark gezogen wird. Die Hydraulik spreizt die Kolbenschelle von der Felge weg. Mist! Davon war in den Forenbeiträgen nichts erwähnt. Was es braucht, ist eine Drehmomentabstützung wie sie ältere Magura HS in Form von zwei kleinen L-Stücken besitzen, die sich an die Gabel legen und ein Drehen des Bremsadapters verhindern. Bei meiner Bremse liegen solche L-Stücke leider nicht dabei. Also muss eine andere Lösung her.


Kolbenschelle um 180 Grad gedreht
Die eigentlich obere Schraube (M5 x 34) für die Kolbenschelle mündet in einem konischen Zapfen, der normalerweise in ein Loch der Montageplatte einrastet. Ich ersetze die werksseitige Schraube durch eine M5 x 60-Schraube und drehe diese vollständig durchs Gewinde. Dadurch kommt sie aus dem Loch des konischen Zapfens heraus und endet seitlich der Gabel - eine perfekte Position, um als Gegenhalter für den oberen Drehpunkt zu funktionieren. Die Kolbenschelle kann sich nun nicht mehr nach außen verdrehen, sondern wird von der langen M5-Schraube an der Gabel abgestützt. Simpel, funktional und gut! Die Einstellung der Bremsbeläge zur Felgenflanke erfordert zwar etwas Fummmelei, lässt sich dann aber gut auch ohne Schnellspanner fixieren. 

Der Arbeitsaufwand hat mich ein paar Stunden "trial und error" gekostet. Für die nächste HS 33 an U-Brakebolts werde ich wohl nur noch 30 Minuten benötigen. Das Ganze ist unterm Strich eine einfache und charmante Sache, wenn man seine mechanische gegen eine hydraulische Bremse ersetzen möchte. Und wie bremst sich das BMX nun? Kurz gesagt: bombig! Der Druckpunkt des Bremsgriffs ist klar definiert und die Anlage packt entschlossen zu. Wichtiger aber finde ich, dass die Bedienkraft des Hebels deutlich geringer ist als bei der U-Brake. Ich habe ja jetzt beides im direkten Vergleich: links Hydraulik, rechts Mechanik, vorn Magura, hinten U-Brake. 

Originale M 5 x 34 und M 5 x 60
Umgekehrt montierte Magura HS 33 am BMX mit Abstützung. 




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich mag seriöse Kommentare. Persönliche Anfragen bitte an: jmaltzan@web.de