Dienstag, 3. Dezember 2013

Kurioses Dreirad: Kleine Geschichte einer verpassten Chance


Wenn einem Angler ein dicker Fisch entkommt, heißt das bei den Amis "The one that got away". Genau das ist mir jetzt mit einem Fahrrad passiert, genauer gesagt mit einem Dreirad. Kein Anglerlatein, sondern eine verpasste Chance!




Entdeckt habe ich das Teil auf einem Hinterhof im Hamburger Hafen bei einem Exporteur, der eigentlich Auto nach Afrika verschifft. Neben seiner Lagerhalle stehen zwei kuriose Dreiräder aus dänischer Produktion, die mich an Sessel- oder Sofaräder erinnern. Hergestellt wurden sie in Haderup von der "Haderup Maskinfabrik", wie der Fabrikaufkleber vielsagend verrät.

Klar, die Teile faszinieren mich sofort. Bei den Konstruktionen handelt es sich wahrscheinlich um behindertengerechte Fahrräder, wie sie zum Beispiel in ähnlicher Form von Haverich hergestellt werden. 150 Euro will der Händler dafür haben. Ist mir zuviel. Leider bleibt er hart. Auch als ich vier Tage später nochmals vorbei schaue, rückt er nicht von seinem Preis ab. Na, der wird schon noch runter gehen, denke ich. Warte ich halt mal ein, zwei Wochen.Wer kauft im Winter schon solche Rad-Spezialitäten?

14 Tage später stehe ich wieder auf dem Hof. Mist, beide Dreiräder sind weg. Verkauft nach Bulgarien, sagt der Händler. Für 300 Euro. "Hättest Du mal zugeschlagen", grinst er mich an. Ja, ja - hätte, hätte, Fahrradkette (frei nach P. Steinbrück). Nun fahren die Dinger wohl in Bulgarien und nicht auf der Critical Mass, wo ich mich schon geistig mit dem Dreirad habe mitradeln sehen. "The one that got away."

Immerhin bleiben mir ein paar Fotos zur Erinnerung an die kuriose Konstruktion. Spannend ist vor allem der Antrieb. Es handelt sich um Fronttriebler mit Riemen. Ein von einer Pedal-Scheibe angetriebener Keilriemen wird geschickt nach oben über eine Doppel-Riemenscheibe ans Vorderrad umgelenkt, damit sich das Gefährt problemlos lenken lässt. Ein direkter und damit viel kürzerer Antriebsriemen zum Vorderrad wäre sicherlich viel effizienter, würde aber mit der Gabel kollidieren und auch Lenkbewegungen unmöglich machen. Die am Gabelrohr fixierte Umlegung sorgt dafür, dass der Riemen an der Gabel vorbei geführt wird und das Vorderrad trotz Antriebsriemen frei drehen kann.

Am Vorderrad wiederum treibt der Riemen eine Torpedo-Dreigang-Nabe an, die wie gewohnt vom Lenker aus mit einem Daumenschalter betätigt wird. Ich bin noch nie einen Fahrrad-Vorderradantrieb gefahren. Hätte ich doch nur eine Probefahrt gemacht. Vielleicht wäre ich sofort bereit gewesen, die geforderten 150 Euro in dieses (verrostete) Rad zu investieren. Vielleicht aber auch nicht. "The one that got away."

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