Donnerstag, 21. Mai 2015

Versteigerung in Wien: Werden Fahrräder zu Spekulationsobjekten?

Moulton-Einzelstück aus Titan: Startpreis 6000 Euro, Zuschlag
bei 30000 Euro!
Wie kann der Mann das machen? Michael Embacher ist mein Bruder im Geiste. Er sammelt(e) Fahrräder, besondere Fahräder, seltene Fahrräder, einmalige Fahrräder. Gestern wurde sein spektakulärer  Zweiradschatz in Wien versteigert. Ein Moulton-Unikat brachte 30000 Euro. Auch andere Exemplare  erzielten stolze Zuschlagpreise. Der Auktionsgesamterlös für rund 200 Räder liegt bei knapp einer halben Millionen Euro. Historische und seltene Fahrräder scheinen auf dem Weg zum Spekulationsobjekt. Aber genau das wollte Embacher eigentlich verhindern. Er möchte, dass seine Räder gefahren werden. Sagt er. Hoffentlich behält er recht.
Eigentlich wollte ich ja hinfliegen, nach Wien. Die Embacher Fahrrad-Versteigerung hatte meine Neugier gewaltig geweckt. Und bei der Losnummer 4, dem Duemilla-Klapprad, hätte ich glatt mitgeboten. Das Germanwings-Ticket für 29 Euro war fast gebucht, doch dann kam doch etwas auf der Arbeit dazwischen. Schade. Oder vielleicht auch nicht. Sonst hätte ich mich noch schwer verschuldet.

Zum Ersten, zum Zweiten und... : Was im Wiener Auktionshaus Dorotheum unter den Hammer kam, war atemberaubend. Zumindest für Fahrrad-Nerds mit Vorlieben für spezielle Konstruktionen. Die Räder, die Architekt Embacher auf einem großen Dachboden zusammen getragen hatte, bildeten weltweit eine einmalige Sammlung. Als ihm die Immobilie gekündigt wurde, lagerte Embacher die Räder erst aus, dann entschied er, sie zu versteigern. Sie sollen wieder auf die Straße, begründet er seinen Schritt. Alle Exemplare hatte er gefahren. Embacher hat seine Sammlung erstklassig mit verschiedenen Büchern wie Cyclopedia dokumentiert; die gleichnamige App hat eine Designauszeichnung gewonnen und ist in meinen Augen ihren Preis von zehn Euro auf jeden Fall wert. Immerhin bleibt so die Embacher Collection virtuell lebendig. Für fortgeschrittene Fahrradfans ist die App ein Muss.

Zur Auktion: Schon vor der Versteigerung wurde reichlich über das Moulton-Einzelstück gemunkelt. Es war nicht schwer vorherzusagen, dass dieses Rad den höchsten Preis erzielen würde. Bei einem Startgebot von 6000 Euro fiel der Hammer schließlich bei 30000 Euro. Kann ein Fahrrad so viel wert sein? Mag man damit noch fahren, so wie es Michael Embacher sich wünscht? Wenn bei Fahrräder ähnliche Spekulationsmechanismen greifen wie bei Oldtimern, mag das Moulton in ein paar Jahren sogar 50000 Euro wert sein. Oder es schmiert preislich wieder ab. Spekulieren ist immer eine riskante Sache.

Bei den insgesamt 202 Pretiosen ist es schwer, die richtigen Favoriten zu suchen. Meine ganz persönlichen Höhepunkte, unabhängig von ihrer möglichen Preisentwicklung, sind diese Bikes:

Jumbo Jet: Die Losnummer 5 mag ich, weil ich skurille Klapp- und Kinderräder mag, so wie diese Jumbo Jet. 200 Euro waren aufgerufen. Der Zuschlag erfolgte bei 300 Euro. Ich besitze ein ähnliches Rad; den Wert hätte ich niedriger geschätzt.
Trek Y-Foil:  Trek ist bei Rennrädern meine Lieblingsmarke. Und dieses Y-Foil hätte ich schon gerne im Fuhrpark. Startpreis: 900 Euro, verkauft für 2000 Euro.










Allrad-Subaru: Subaru 2WD Dual Power. Ein Mountainbike mit Allradantrieb. Eine Kette leitet Kraft vom Hinter- zum Vorderrad - ein Promotionartikel für die Allradmarke Subaru. 
Herse: Die Kunststücke von Rene Herse sind quasi so etwas wie ein Rolls Royce für Fahrradfahrer - höchste Handwerkskunst aus Frankreich. Schon lange gelten sie wegen ihrer hohen Qualität und perfekten Verarbeitung als Sammlerobjekte. Dieses Exemplar namens Diagonale startete bei 5000 Euro und verdoppelte sich bis der Hammer viel. 10625 Euro. Hammer!
Inconnu: Herrlich, dies Inconnu von 1950. Ein ungewöhnliches Klapprad, das sich auch zu einem Bootstrailer verwandeln lässt. Verkauft für 1500 Euro.
Skoot: Zwei waren im Angebot. beide wurden verkauft: das Skoot International. Perfekt als Reisebgleiter - sogar als Handgepäck im Flugzeug.











Herse: Ein Herse zum Zerlegen - genial. Das Demontable glänzt mit der typischen Herse Qualität und lässt sich zudem in zwei Teile zerlegen. Zuschlag bei 8750 Euro.
Lotus: So ein Lotus-Zeitfahrrad ist was sehr spezielles. Wie die Autos konsequent auf Speed getrimmt und einer bestechenden Optik. Das Lotus Sport 110 wurde für 13750 Euro zugeschlagen.

 Bibici: Ich mag Tandems, besonders Renn-Tandems. Dieses Bibici aus Italien reizt extrem. De Stolker sitzt über dem Hinterrad und tritt in eine an der Hinterachse befestigte Kurbel. Dieses treibt aber nicht das Hinterrad an, sondern eine Kette leitet die Kraft ins Tretlager. 4250 Euro.
Graziella: Graziella baute spannende Räder. Dieses eine Crossversion, aber kein typisches Bonanzarad. Es stammt von 1976 und brachte 563 Euro. 200 waren ausgerufen.

Die komplette Ergebnisliste mit tollen Fotos gibt es übrigens hier.

Kommentare:

  1. Hallo in die Runde, kann das Duemilla-Klapprad zum Verkauf anbieten. Sehr guter Zustand. VB 1200 Euro. Bei Interesse hier antworten und email zwecks Angebot angeben. Danke

    AntwortenLöschen
  2. Danke für dein Angebot. Vielleicht findet sich ein Leser,den Dein Duemilla interessiert. Ich muss leider aus Etatgründen passen.

    AntwortenLöschen
  3. bin interessiert.. christian_barf@web.de

    AntwortenLöschen