Freitag, 10. Juli 2015

Essen auf (zwei) Rädern: Das Festmenü kommt mit dem Cargobike

Cargobikes sind ja irgendwie das "next big thing" in der Zweiradindustrie. Zunehmend übernehmen sie in der Stadt wichtige Logistikaufgaben. In Hamburg-Wilhelmsburg beispielsweise gibt es die Kaffeeklappe, die mit einem flotten Omnium-Lastenrad inselweit die Leckereien von der Speisekarte ausliefert. Am Wochenende hatte ich eine kleine Familienfeier und damit Gelegenheit, dieses Service einmal auszuprobieren.
Ein paar Tage vor der Festivität besuche ich die Kaffeeklappe und trinke einen leckeren Kaffee - so wie es sich gehört für einen Laden, der den schwarzen Muntermacher im Namen führt. Ich mag den Begriff Kaffeeklappe, weil er auf eine fast ausgestorbene Gastronomieeinrichtung im Hafengebiet zurück geht. Die spartanischen Kaffeeklappen sind inzwischen fast vollständig ausgestorben.

Am Tresen bestelle ich anschließend sieben Essen aus dem so genannten Wochentrio der Kaffeeklappe - das ist ein Dreingänge-Menü, das es die gesamte Woche zusätzlich zum Mittagskarte gibt. Als Hauptgericht steht diese Woche Polenta-Schnitten mit Ratatouille und Bulgur-Salat auf der Karte. Preis: neun Euro - ein absolut fairer Preis. Die Lastenradlieferung ist bereits inklusive und kann ab sechs Portionen bestellt werden. Als Auslieferungsort vereinbaren wir einen Piknickspot im Inselpark, zirka sechs Kilometer von der Kaffeeklappe entfernt. Alles kein Problem sagt der Mitarbeiter fröhlich. So weit die Theorie.

In der Praxis lief das dann etwas anders. Zum verabredeten Zeitpunkt ist kein Lastenrad da. Unsere Mägen knurren. Schwiegermutter guckt skeptisch. Was nun? Ich rufe in der Kaffeeklappe an und kriege Chef Volker von Witzleben ans Handy. Er habe versucht, mich zu erreichen, sagt er. Denn heute hätte er Personalprobleme und keinen Lastenradfahrer. Doch Volker ist flexibel und bietet an, das Essen schnell zu bringen. "In etwa einer halben Stunde", sagt er. Okay, dass ist ein Deal.

Tatsächlich erscheint Volker mit unserem Essen nach 30 Minuten. Nun fehlen allerdings die Teller - wieder ein kleines Missverständnis. Auch dieses Problem kriegen wir gelöst. Dann kann es los gehen: Bulgur, Polenta und  Ratatouille liegen auf dem Teller. Und was jetzt kommt, entschädigt für die Pannen. Das Essen ist exzellent. Es schmeckt frisch, gut abgeschmeckt und ist richtig temperiert - ein Genuss. Volker versteht sein Handwerk; schließlich ist der Mann Koch. Ein Koch auf dem Lastenrad, der seine Spezialitäten selbst ausfährt, sieht man auch nicht alle Tage. Danke Volker!

Wir sind übrigens nicht die einzigen Fans der Kaffeeklappe. Regelmässig beliefert das Team mit dem Omnium-Lasti die Mitarbeiter des IBA-Dock auf der Veddel. Und die Restaurant-Kritikerin des Szenemagazins Prinz war so angetan, dass sie überlegt, wegen der Kaffeeklappe nach Wilhelmsburg zu ziehen. Kann es ein besseres Kompliment geben?

Fazit: Wer gutes Essen schätzt, in Wilhelmsburg wohnt oder dort picknickt und Lastenräder für eine sinnvolle Transporterart hält, sollte den Service der Kaffeeklappe unbedingt einmal ausprobieren. Wir waren trotz der kleinen Pannen sehr zufrieden und würden den Dienst bei ähnlicher Gelegenheit wieder in Anspruch nehmen. Qualität und Preis des Essens überzeugen.

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