Mittwoch, 17. September 2014

Rad geklaut: Wie kriege ich das gestohlene Tandem zurück?

In meinem Herzen kocht das Blut. Ich fühle mich wie Eddy Kante. Denn mein Rad ist weg. Mein kleines Klapprad-Tandem. Ein Rad, das ich sehr mag. Weil es ein Oldtimer aus den 70er-Jahren ist. Weg. Nicht mehr da. Verschwunden. Scheiße. Große Scheiße. Was tun? Polizei? Privatdetektiv? Selbstjustiz? Bürgerwehr?
Mein geklautes Tandem der Marke Drei Stern. Wer hat es gesehen?


Diebstahl vor meinen Augen

Das darf doch nicht wahr sein! Was ich da unten aus meinem Fenster sehe, kann ich nicht glauben. Ein Kind sitzt auf meinem Tandem und radelt davon. Nur ganz kurz will ich was aus unserer Wohnung holen. Beim Blick nach unten ist es schon passiert. Das Rad kriegt Beine. Ich bin geschockt. Ist das wirklich mein Rad? "Ja, verdammt, das ist Dein Tandem", meldet das Hirn und prüft blitzschnell Optionen. Einzige Lösung: sofort hinterher. Ich will los sprinten, doch vorher warte ich um zu erkennen, welche Richtung der dreiste Dieb wählt. Alles klar; er fährt geradeaus - stehend, denn der Sattel ist für den rund zehn Jahre alten Bengel viel zu hoch eingestellt. Sein Kumpel fährt plaudernd auf einem BMX-Rad nebenher. Na warte, Euch kriege ich.

Die Verfolgungsjagd

Ich renne die Treppe runter. Noch schneller rasen meine Gedanken: laufen oder auf einem anderen Rad hinterher? Logisch, mit dem Rad bin ich schneller. Also schnell das Rennrad aufgeschlossen, wie beim Triathlon auf den Sattel gesprungen und Vollgas... Aber was ist das? Platten! Nein, nein, nein - ein Unglück kommt selten allein. Und dann meist auch noch Pech dazu. Rad wieder abgeschlossen. Wertvolle Sekunden verrinnen. Wäre ich doch lieber gelaufen? Ich greife mir mein Peugeot-Klapprad. Ist ja auch viel stilvoller für eine Klapprad-Tandem-Verfolgung. Nur den Humor nicht verlieren. Das Ding rollt immerhin, quietscht dafür wie eine Raupe in der Kiesgrube. Egal, ich habe Speed aufgenommen und wittere die Fährte.

Vergebliche Suche

Ich kenne die Richtung. Passanten bestätigten, dass ein Tandem vorbei fuhr. Doch dann gabelt sich der Weg. Rechts oder links? Über die Brücke oder in den Park? Ich fahre in den Park. Alles leer. Falsche Richtung. Mist, die Uhr tickt, jede Sekunde zählt. Also über die Brücke. Dahinter gibt es es drei mögliche Richtungen. Mir dämmert: Die finde ich nicht mehr. Chance vorbei. Ich war nicht schnell genug. Aus Hoffnung wird Zorn. Und Zorn setzt zusätzliche Energien frei. Darum gebe ich nicht auf. Noch nicht. Über zwei Stunden fahre ich die Gegend ab, forsche in Hauseingängen und auf Parkdecks, gucke in Gräben und hinter Containern, frage Spaziergänger und spielende Kinder, glotze ins Gebüsch und erkundige mich am Kiosk. Alles vergebens. Das Tandem will nicht wieder auftauchen. Einen lieb gewonnenen Besitz so zu verlieren schmerzt. Was sind das nur für Typen, die einfach fremde Sachen mitnehmen? In dem Alter!

Nur nicht resignieren

Nun verdrängt Resignation den Zorn. Doch gegen dieses Gefühl wehre ich mich. Noch immer mag ich mein Klau-Schicksal nicht akzeptieren und rede mir Mut zu. Irgendwo müssen die doch stecken. Dann wird es dunkel. Unter rhythmischen Quietschgeräuschen fahre ich nach Hause. So eine Scheiße. Noch immer mag ich den dreisten Diebstahl nicht wahr haben. Später am Abend zeige ich den Diebstahl bei der Polizei an.

Anzeige bei der Polizei

Über eine halbe Stunde dauern die Formalien: Farbe, Rahmennummer, Umstände, Täterbeschreibung undsoweiterundsofort... Zum Schluss meine Unterschrift. Doch ich bestelle nichts damit, schließe keinen Vertrag. Im Gegenteil: Der Beamte hinter dem Schreibtisch der Wache macht mir wenig Hoffnung. Kein Wunder bei einer Fahrraddiebstahl-Aufklärungsquote in Hamburg von nur 0,5 Prozent. Das ist extrem wenig. Eigentlich wollte ich immer Privatdetektiv werden. Ist es jetzt so weit? Ist das gestohlene Tandem ein Wink des Schicksals die Branche zu wechseln? Ich muss nochmals darüber schlafen. Was würde Matula tun? Bislang kann ich mir nur amateurhaft mit bestehenden Angeboten helfen.

Fahndungsportale im Internet

Darum habe ich das Tandem bei den Suchportalen Fahrrad-Gestohlen und Fahrradjäger im Internet als geklaut gemeldet und dort die Daten sowie Bilder eingestellt. Aber auch dieser Weg macht mir wenig Hoffnung. Wer guckt da rein, wenn er ein Fahrrad findet? Checkt die Seiten wirklich jemand wenn auf dem Flohmarkt ein gebrauchtes Rad kauft? Ich bin skeptisch. Für stundenlanges Selbersuchen fehlt mir leider die Zeit und das Tageslicht. Ich habe nun ein paar Suchanzeige mit der Überschrift "Belohnung" an Bushaltestellen und Lichtmasten geklebt. Das scheint mir noch am vielversprechendsten zu sein. Jett kann ich nur noch warten bis das Telefon klingelt und einer sagt: "Ich habe ihr Tandem gefunden." Ach wäre das schön.

Klauhochburg Hamburg

Mit meinem Klau-Schicksal bin ich nicht allein. Leider! Rund 15000 Räder werden in Hamburg pro Jahr offiziell als gestohlenen gemeldet, exklusive der Dunkelziffer. Der finanzielle Schaden beträgt rund sieben Millionen Euro. Mein Klapprad-Tandem ist so auffällig und speziell, dass es sich nur schwer verkaufen lässt. Im schlimmsten Fall endet es also auf dem Grund der Elbe oder in irgendeinem Teich. Oder auf dem Schrottplatz, weil ein Altmetall-Höcker fünf Euro dafür zahlt? Ich weiß es nicht. Vor fünf Jahren wurde meiner Frau ein quasi wertloses Holland-Rad gestohlen. Auch damals war ich fassungslos, wer bei so einem Rad die Mühe aufbringt, das stabile Abus-Schloss zu knacken. Bei meiner Recherche zum Thema Fahrrad-Diebstahl bin ich auf mehrere Opfer gestossen, denen mehrfach ihr Rad gezockt wurde und die inzwischen deshalb das Radfahren aufgegeben haben. Wie traurig und kontraproduktiv für eine lebenswerte Stadt. Hamburg ist eine Klauhochburg der Fahrraddiebe. Das gehört geändert. Dringend! Aber wie?

Das GPS-Köderrad

Die Polizei ist schon fleißig mit speziellen Ermittlungsgruppen dabei. Doch der Fahndungsdruck ist offenbar nicht groß genug, das Risiko für Diebe klein. Darum habe ich eine Idee, die ich gerne mit Polizei, ADFC, Medien und/oder anderen Interessierten umsetzen würde: das GPS-Köderrad. Um Fahrraddieben das Handwerk zu legen und Hehlerbanden zu ermitteln wäre das ein brauchbares und wahrscheinlich effektives Instrument. In den USA ist es üblich, so Auto- und Fahrraddieben das Handwerk zu legen. Dabei wird ein attraktives Rad mit einem GPS-Sender bestückt, an neuralgischen Punkten abgestellt und angeschlossen. Wird es gestohlen, sendet ein GPS-Modul die geografischen Daten und das Rad kann verfolgt, lokalisiert und wieder beschafft werden. Außerdem kann die Polizei so die Täter, Hintermänner und Auftraggeber ermitteln. Spricht sich diese Methode rum, steigt zudem das Abschreckungspotential. Ich verspreche mir viel davon und suche Helfer und Sponsoren, denn so eine Aktion funktioniert am besten mit der Polizei und erfordert leider auch ziemlichen zeitlichen wie finanziellen Aufwand (teures Köder-Rad, GPS-Technik samt Software).

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Bleibt die minimale Chance, dass mein Tandem doch noch irgendwann irgendwo irgendwie wieder auftaucht. Ein gestohlenes Kinderrad hat tatsächlich vor ein paar Jahren den Weg zu mir zurück gefunden. Damals war es die Polizei, die das Rad in Gewahrsam nahm. Es stand nach mehreren Wochen hinter einem Müllcontainer. Habe ich ein zweites Mal solches Glück? Aber was heißt schon Glück? Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass Bestohlene ihr Eigentum zurück erhalten. Klingt romantisch und naiv, aber es bleibt mein Ziel. So lange kocht das Blut in meinem Herzen.

Kommentare:

  1. Moin Jörg,
    vielleicht lohnt sich ein Besuch auf dem Schanzen Flohmarkt am Samstag.Da hat die Polizei schon öfters Räder beschlagnahmt.Vielleicht hilft auch die Angabe des Aktenzeichens,dann können Leute die das Rad sehen gleich die richtigen Hinweise geben.Tipp zwei: Foto vom Rad groß ausdrucken und bei der nächsten Critical Mass am Rad befestigen.
    Gruß Wolfgang

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  2. Ich bin entsetzt und schockiert, aber du hast es dem Dieb auch ziemlich leicht gemacht. Hättest das Rad doch einfach kurz anschließen sollen. Aber egal, gib nicht auf. Folgende Tips: Der Freund des Kumpels war ja mit nem BMX unterwegs. Die sind bestimmt vom Skaterpark auf dem IGS Gelände gekommen. Wenn du den Dieb gesehen hast und ihn wieder erkennst, würde ich da mal nach ihm Ausschau halten. Und guck mal bei Ebay Kleinanzeigen rein. Manchmal denken die einfach nicht nach und stellen das Rad da rein.
    Ich werde auf jeden Fall meine Augen aufhalten.
    Gruß DÜRC

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  3. Moin,
    noch ein paar Gedanken zu dem Thema:Vielleicht lohnt auch ein Besuch der Billstraße.Ab zehn Uhr werden die Händler wach.Bei Anreise mit dem Rad würde ich ein gutes Schloss mitnehmen.Ich war mal über einen längeren Zeitraum mit einem Stand auf dem Flohmarkt und ich fand es echt erschreckend wie blauäugig gerade Frauen da ein Rad kaufen.Wenn ein hochwertiges Rad für 125€ angeboten wird würde ich mir schon Gedanken machen. Wenn die Käuferseite mehr Fragen nach Herkunft Adresse und Ausweis stellen würde wäre der Verkauf bestimmt nicht so attraktiv.Es gibt ja bald ein neues,teures Schloss mit Öffnung über app und Unfallsensor.Da müssen dann die Diebe einen w-lan Störer mitbringen wenn sie das Schloss knacken wollen.Skylock nennt sich das Teil. Ich habe ja ein zusätzliches Schloss mit Alarm.Wenn einer am Rad wackelt wird Alarm ausgelöst.Das Schloss schreckt schon einmal ab.
    Gruß Wolfgang

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  4. Moin Jörg, mein Mitgefühl wegen Deinem Verlust. Noch schlimmer ist für mich immer die psychische Belastung, weil man beschissen wurde. Bleib stark!

    Zu Deinem Versuch: Schau Dir mal an, was die Polizei so findet, wenn tatsächlich ein Hehler hochgenommen wird. Du brauchst kein teures Rad. Die Diebe klauen, was sie schnell und einfach kriegen können (so wie Dein Tandem). Wichtig ist, dass das Rad mit einem einfachen Schloss ("Geschenkband") angeschlossen ist. Das ist der Köder!

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