Mittwoch, 29. Oktober 2014

Hurra, mein Tandem ist wieder da!

Da ist es wieder. Kaum zu glauben! Mein Tandem steht wieder im Keller, ist wieder Teil meiner Sammlung. Wahnsinn! Hätte ich nie gedacht. Schon zwei Mal wurde mir ein Rad geklaut, zwei Mal habe ich es wieder bekommen. Ein Riesenglück. Aber man muss auch was dafür tun.
Nachdem mein Dreistern-Tandem geklaut wurde, hatte ich Anzeige bei der Polizei erstattet. Ohne große Hoffnung. Außerdem habe ich es bei verschiedenen Fahndungsbörsen im Internet ausgeschrieben. Ebenfalls ohne große Hoffnungen, obwohl diese Portale durchaus Sinn machen.

Was zum Erfolg führte, wirkte bereits im Wilden Westen: ein Steckbrief mit der Überschrift "WANTED". Dazu hatte ich eine Belohnung ausgeschrieben. Diese Plakate habe ich dann zahlreich in der Gegend aufgehängt, wo ich das Rad vermutete und die Spur nach ihm verloren hatte.

Ehrlich gesagt war ich skeptisch, dass dieser Aufruf zu etwas führen würde. Aber ich wollte nichts unversucht lassen. Natürlich waren die 30 A3- und A4-Farbkopien auch nicht ganz billig. Dazu noch Schutzfolien, damit meine Plakate nicht vom Regen weggewaschen werden - was tut man nicht alles für ein seltenes Klapp-Tandem. Auch der Zeitaufwand war beträchtlich; mehrere Stunden an drei Abende habe ich geopfert. Etliche Zettel dazu an Passanten verteilt.

Dann tatsächlich ein Anruf. Im Display des Handys steht "Anonym". Der Anrufer will unfreundlich wissen, wie hoch die Belohnung ist. Ich frage, ob er das Rad hat. Er antwortet nicht und wiederholt die Frage nach der Belohnung. Ich biete 50 Euro. Der Typ lacht und legt auf. War ihm wohl zu wenig, aber ich bezweifle, dass er das Rad tatsächlich gefunden hat. Oder war es vielleicht sogar der Dieb?

Solche Anrufe sollen sich die nächsten Tage noch zwei Mal wiederholen. Ich tröste mich damit, dass es Wichtigtuer sind und gewöhne mich an den Gedanken, dass mein Rad verschwunden bleibt. Bei einer abendlichen Rundtour kontrolliere ich die Aushängstellen meiner Plakate. Einige sind verschwunden, die meisten noch da. Irgendwann meldet sich der Hausmeister einer Schule. Er hat meinen Steckbrief auf dem Schulgelände entdeckt und teilt mir mit, dass er ihn entfernen müsse. Sonst würde das Überhand nehmen. Was soll ich sagen? Natürlich muss er so handeln. Aber immerhin klingt der Mann aufrichtig mitleidig.

Eigentlich habe ich das Rad nun abgeschrieben und fahre auf Dienstreise nach Dresden. Abends, im Hotel, klingelt mein Handy: "Hier ist Michael. Ich habe Dein Rad gefunden." Ich: "Ehrlich?" Er: "Ja, das lag bei uns um die Ecke im Gebüsch." Ich kann es kaum glauben und will Michael durch den Hörer um den Hals fallen. Aber warum sagt er lag und nicht liegt. Und als hätte ich es geahnt schränkt er plötzlich ein: "Das war gestern, ob es noch da ist, weiß ich nicht." So ein Mist, mein Rad taucht auf und ich bin 500 Kilometer entfernt. Auch meine Frau Margret kann nicht helfen; sie ist ebenfalls nicht vor Ort.
In diesem Brack lag das Tandem


Ich rede auf Michael ein, erkläre ihm, das ich erst in zwei Tagen wieder da bin. Er bietet an, nach dem Rad zu gucken. Eine halbe Stunde später meldet er sich wieder. Das Rad liege nun nicht mehr im Gebüsch, sondern in einem Teich, ein Brack wie man bei uns auf den Hamburger Elbinseln sagt. Scheiße! Das klingt nicht gut. "Vorder- und Hinterrad sind auch weg", sagt Michael. Verdammt, ich muss wenigstens das Gerippe bergen. Michael scheint meine Verzweiflung zu spüren und sagt, dass er versuchen will, es zu bergen. "Wozu habe ich schließlich eine Waathose."

Toller Typ, dieser Michael. So hilfsbereite Zeitgenossen trifft man nicht alle Tage. Als ich zurück bin, liegt mein Tandem tatsächlich auf dem Hof von Michael. Ein trauriger Anblick. Aber es ist weider da.

Die Räder fehlen, Lenker, Sattelstange und Schutzblech hinten sind verbogen. Vorne fehlt es - eine typische Fahrradleiche, geborgen aus einem muffigen Brack. Dennoch bin ich happy. Das kriege ich wider hin. Alle Ersatzteile sind vorrätig.

Michaels Frau kriegt einen Blumestrauß. Obwohl schanger, hat sie bei der Bergung der Wasserleiche mit angepackt. Beide habe ich außerdem zum Essen eingeladen - als Belohung für ihren Einsatz.

Am nächsten Tag habe ich sofort neue Laufräder eingebaut. Auf der hinteren Felge sitzt nun ein besonders dicker Reifen. Alles musste neu eingestellt und justiert werden. Die Tretlager bekamen reichlich Fett verpasst, die Ketten habe ich ihn Öl gebadet. Und siehe da: Das Tandem rollte danach wieder als sei nichts gewesen. Selbst die Lichtanlage funktioniert nach dem Austausch des Dynamos wieder tadellos. Halt ein robuster Bursche, so ein Dreistern-Tandem.
In dem Brack lagen noch weitere Räder

Nun will ich am Freitag, 31. Oktober, bei der Critical Mass mit dem Rad an den Start gehen. Wer fährt mit?

1 Kommentar:

  1. Großartig dass es wieder den weg zu dir zurück fand!
    Ich meine ich habe genau dieses vor ca. zwei Jahren mal auf einem Dachboden gesehen, damals mangels Verwendung aber nicht gekauft.
    Nun besitze ich seit letztem Herbst Mars Luxus Tandem und bekomme die Tage auch ein blaues Dreistern. Bin sehr gespannt ob das auch so krass federt!
    Hier findest du ein paar von meinen Klapprädern: http://www.pedalroom.com/members/Klappschredder)(leider nicht aktuell)

    Beste Grüße,
    Felix :)

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