| Startpunkt: Alstermündung an der Schaartorschleuse |
Die Bille ist abgehakt. Nächste Folge meiner Riverrides soll die Alster werden. Wieder gegen den Strom: von der Mündung zur Quelle. Wie fährt es sich an Hamburgs vornehmsten Gewässer?Ein See! Was sonst? Die Alster als stehendes Gewässer zu bezeichnen, gehört sicherlich zu den häufigsten Geographie-Irrtümern. Denn die Alster ist ein Fluß und nach der Elbe wohl auch der bekannteste in der Hansestadt. Anders als die Bille mit ihrem industriegeprägtem Kanalcharakter prahlt die Alster eher mit einem exklusiven und vornehmen Image. Auf der Außenalster kreuzen teure Segelboote, hinter Lombards- und Kennedybrücke warten an der Binnenalster teure Flaniermeilen auf Kundschaft. Und auch ein Luxuskaufhaus führt den Strom im Namen: das Alsterhaus. Nicht weit entfernt von diesem Konsumtempel mündet die Alster nach 56 Kilometern Flußlauf in die Elbe.
Genau hier, an der Schaartorschleuse, startet meine Reise. Ein interessanter Fußweg führt vom Binnenhafen, dem sogenannten Alsterfleet, zur Rathausschleuse. Radfahren ist hier eigentlich nicht vorgesehen, macht aber Spaß, da es keine nennenswerte Hindernisse gibt, die zum Absteigen zwingen. Man rollt unterhalb mehrerer Brücken ungestört vom dichten Innenstadtverkehr dahin und erreicht die Alsterarkaden. Hier nehme ich dann doch lieber den Haken über den Rathausplatz und fahre "Am Vierjahreszeiten" die Binnenalster entlang. Die Fontäne spuckt majestätisch ihren hohen Wasserstrahl gen Himmel, der vom Wind wie ein seidener Schleier übers Wasser geweht wird.S o etwas gibt es sonst nur in anderen mondänen Großstädten wie Genf.
| Ein gelber Pfeil markiert den Alsterwanderweg |
Unter Lombards- und Kennedybrücke hindurch erreiche ich die Außenalster. Ich passiere altehrwürdige Segel- und Ruderclubs, erreiche das "weisse Haus", in dem ich einst meine Visa für US-Reisen beantragen musste. Wegen der Anschlagsgefahr wurde die Straße davor schon vor vielen Jahren gesperrt. 2022 zog das US-Generalkonsulat in die Hafencity. Das Haus soll jetzt ein Luxushotel werden. Noch eines. Die Alster hat davon rechts und links eigentlich schon reichlich.
Auf dem Harvestehuder Weg geht es dank der breiten Fahrradspur flott voran nach Norden. Hier ist Hamburg tatsächlich Fahrradstadt. Rad- und Autofahrer haben den gleichen Platz zur Verfügung. Schön fährt es sich auch durch die Heilwigstrasse, die eigentlich auch Schlossallee heißen könnte. Links und rechts liegen große Stadtvillen, die meisten teuer saniert. In den Auffahrten parken Porsche, Range Rover und Oldtimer. Hier wohnt Hamburgs "old money". Klar, der Alsterlauf hat neben Elbchaussee und Blankenese die teuersten Immobilienpreise.
Auch am linken Alsterufer in der Bebelallee sind die Häuser groß und die Gärten reichen bis ans Wasser. Mehrere Botschaften haben hier ihren Sitz. Ab Alsterdorf wechsle ich von der Straße auf den Alsterwanderweg, den sich Radfahrer und Fußgänger teilen. Regelmässig weisen Schilder mit der Aufschrift "Respekt" darauf hin, bitte nicht als Ramboradler am Fluß entlang zu ballern. Direkt am Ufer sind nun oft Alsterbauwerke in Backstein zu bewundern, die aus der Feder des legendären Baumeisters Fritz Schumacher stammen. Ich verstehe nicht viel von Architektur, doch eine Brücke, Schule oder Wohnhaus von Schumacher hat eine sehr eigene Handschrift und ist leicht zuortbar.
| Immer den Schildern nach. Leider gibt es nur wenige |
Die Fuhlbütteler Schleuse markiert das letzte größere Bauwerk auf dem Weg zur Quelle. Nördlich von hier wird der Fluss schmaler, wilder und natürlicher. Der Teetzpark ist pure Naturidylle. An schönen Tagen ist es hier voll mit Gassi- und Spaziergängern, die in der Wellingsbütteler Landstraße und in den angrenzenden Wohngebieten leben, ebenfalls eine eher gehobene Gegend mit Geld.
Dass die Alster hier durch eine urbane Großstadtlage fließt ist kaum zu spüren. Dichter Baumbestand und viel Grün dominieren. Hin und wieder quert eine kleine Brücke den Fluß. So geht das bis zur Mellingburger Schleuse. Das historische Gasthaus lockt mit netter Außengastronomie. Ich fahre zügig weiter, schließlich will ich meine Mission erfüllen und zur Alsterquelle radeln. Plötzlich bin ich in der kleinen Gasse "Treudelberg", ein Name, den ich nur als Golfclub kenne. Der muss wohl hier irgendwo sein. Aber Golf ist nicht mein Ding. Also weiter!
| Ende des Alsterwanderweges: Heidkrug in Kayhude |
Etwas tricky ist es an der Wohltorfer Schleuse. Nach rechts möchte ich instinktiv der breiteren Rodenbek folgen. Die Alster aber fließt schmal und schwer erkennbar links weiter. Zum Glück gibt es einen Wegweiser zum Alsterwanderweg. Unbemerkt überquere ich bei Wulkksfelde die Grenze zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein. Ab hier mäandert die Alster als schmaler Bach weiter nach Norden, immer begleitet von dem gut fahrbaren Pfad. Der Spaß führt bis nach Kayhude, wo der Alsterwanderweg endet.
| Idylle in der Oberalsterniederung |
Doch ich will ja zur Quelle. Und die ist noch ein ganzes Stück entfernt in der Ortschaft Rhen. Das liegt ziemlich genau im Osten von Kayhude. Und der Weg dorthin lohnt sich. Denn über kleine Nebenstraßen und Feldwege geht es durch die Oberalsterniederung.
Das ist ein Gebiet mit weiten Feldern und saftigen Wiesen. Ein sumpfiges und sehenswertes Gebiet. Zwar ist es nicht möglich direkt an der Alster zu radeln, aber dafür durch eine schöne Landschaft. Ich erreiche den Hein-Timm-Weg, biege noch einmal links ab und plötzlich stehe ich an der Alsterquelle. Geschafft!
| Im Ziel: die Alsterquelle |
Unter einem dunklen Blätterdach befindet sich die gemauerten Einfassung eines Wasserlochs. Daneben ein Schild mit der Aufschrift "Alsterquelle". Das ist undramatisch und dennoch irgendwie ein bedeutender Ort. So ein Riverride bietet am Ende immer ein schönes Aha-Erlebnis: die Quelle als Belohnung.
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