Sonntag, 13. Juli 2014

Lager-Koller: Geniale und einfache Reparatur eines Tretlagers

Knack, knack, knack - jede Kurbelumdrehung macht diese blöden Geräusche. Der Tritt wirkt unrund. Die Pedale scheinen phasenweise ins Leere zu treten. Der Antrieb hat Spiel. Viele Radfahrer kennen das. Diagnose: Tretlagerschaden. Ein verschlissenes oder gelockertes Innenlager gehört zu den gängigsten und schlimmsten Defekten am Rad. Ich hatte jetzt einen besonders hartnäckigen Fall mit mehreren Reparaturversuchen und dabei eine geniale Lösung entdeckt.
Ein Freund hat mir ein blaues Motobecane-Rennrad aus den frühen 80ern vermacht. Der Stahlrahmen ist nichts besonderes. Der Antrieb sehr wohl. Dabei handelt es sich um Shimano Adamax, eine Technik, bei der fürs Innenlager sehr spezielle Lagerschalen zum Einsatz kommen. Genau diese brauche ich für ein anderes Projekt. Weil sie die gleichen sind wie in Shimanos FFS (Frontfreilauf System), will ich die Schalen in ein Singlespeed-Bike einbauen.

Darum habe ich sie unter großer Mühe, aber zum Glück am Stück, aus dem Rahmen geschraubt und wollte nun als Ersatz eine gewöhnliche 68er BSA-Innenlager-Kartusche montieren, damit das Motobecane wieder fahrbar wird. Leichter gedacht als getan. Für zwölf Euro erwarb ich ein normales FAG-Patronenlager, Vierkant-Standardware mit Kunststoffverschraubung, 113er Achslänge und 68er Einbaumass. Eigentlich mag ich die schwarzen Plastikverschraubungen schon aus optischen Gründen nicht. Beim Einbau gab sich die Lagerpatrone ziemlich widerspenstig; auf beiden Seiten ließ sich das Gewinde nicht bis zum Anschlag eindrehen - ärgerlich. Obwohl fest eingebaut, sieht das nicht gut aus. Und bei hoher Krafteinleitung im hohen Gang fürchte ich eine Lockerung. Also wieder raus damit.

Als Ursache für den unperfekten Sitz im Rahmen vermute ich, dass nicht alle Gewindegänge sauber fassen. Was tun?

Die Recherche im Internet führt mich zum YST-Reparaturlager aus Taiwan. Das gibt es in Onlineshops für 18 bis 25 Euro. Also gleich bestellt, das Ding. Als ich zwei Tage später aus der Verpackung hole, staune ich. Sieht sehr hochwertig aus. Alles aus Metall, sehr leichtgängige Lagerung der Achse. Klasse Teil. Auf der Hülle hat es Aussengewindegänge, die mit der linken Befestigungsschale verschraubt werden. So zieht das Gewinde die beiden Kragen des Lagers bombenfest an die Tretlageraufnahme des Rahmens - genial. Damit ist das Teil auch für völlig vermurkste Rahmengewinde gut geeignet.

Hilfreich beim Einbau ist ein Shimano-Innenlager-Werkzeug, das es für rund sieben Euro zu kaufen gibt. Damit lässt sich das Lager perfekt im Rahmen fixieren.

Die Probefahrt nach der Reparatur lief bestens. Kein Knacken, kein Spiel, das Lager sitzt stramm und läuft leichtgängig.

1 Kommentar:

  1. Das Ding ist mir auch schon über den Weg gelaufen. Es scheint mir auch eine sehr gut umgesetzte und inspirierte Idee zu sein. Wohl aber wirklich nur für absolut zertstörte Gewinde. Die meisten Probleme lassen sich durch ein Nachschneiden eleganter reparieren.
    Unter Umständen könnte auch die Tretlagerhülse brechen ?!?!

    super beitrag!

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