Sonntag, 3. August 2014

Radtourenfahrten (RTF): Falscher Name für sportliche Rennradausfahrten

Sonntags fahre ich gerne RTF. Das steht für Radtourenfahren. RTF sind vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR) ausgeschriebene Veranstaltungen für Breitensportler. Heute war ich bei der "RTF durch Marsch und Geest" in Kaltenkirchen. Auf der 120 Kilometer langen Strecke habe ich mir meine Gedanken zum Thema RTF gemacht. Radtourenfahren, das klingt gemütlich.  Nach einer Tour eben, bei der man Land und Leute genießt. Welch ein Irrtum. RTF sind sportlich bis sehr sportliche Veranstaltungen, bei denen schnell in Windschatten-Reihen gestrampelt wird. Einige Teilnehmer betrachten eine RTF sogar als Radrennen. Darum plädiere ich für eine Umbenennung.
Start einer RTF. Foto: Helmut Niemeier

Der BDR definiert eine RTF als Veranstaltung, bei der "das sportliche Radfahren im Vordergrund" steht. "Gefahren werden kann allein oder in der Gruppe. Da es ... keine Zeitnahme gibt und meist drei Streckenlängen zu Wahl stehen, ist eine individuelle Wahl der Streckenlänge und der Belastung möglich", so die BDR-Definition weiter.

Das trifft es perfekt. Die meisten RTF laufen nach genau diesem Schema ab: Start ab acht Uhr. Sofort schießt die erste schnelle Gruppe auf die Stecke; meistens mit einem Schnitt von 35 km/h, manchmal Tempo 40 und mehr. Die Spitze tauscht ständig die Positionen und es wird dicht im Windschatten in Einer-Reihe gefahren, den Blick konzentriert aufs Hinterrad des Vordermannes gerichtet.
RTF-Gruppe unterwegs. Foto: Helmut Niemeier

Das als Radtourenfahren zu beschreiben passt nicht. Wer so fährt, hat keinen Blick für die Gegend oder für die Sehenswürdigkeiten. Untergrund, Kurven, Steigungen, Wind und Gruppe fordern volle Konzentration. Wie bei einem Rennen.

Darum meine ich, der BDR sollte die RTF umbenennen in RSF wie Radsportfahren. Das wäre die genauere und bessere Bezeichnung. Aber wie ich den BDR kenne, wird er sich schwer tun damit. Und natürlich gibt es auch zahlreiche Teilnehmer, die gemütlich im Tourenmodus unterwegs sind. Aber das Wort "Sport" gehört eigentlich zwingend in die Bezeichnung.
Stempelkontrolle bei einer RTF. Foto: Helmut Niemeier

Kommentare:

  1. Nomen est Omen. Das versteht nicht jeder. Andere verbiegen die Sprache gern zu ihren Gunsten. Was der Grund war, warum "RTF" so genannt wurden, weiß ich nicht, auf jeden Fall hat man damit den "Radwanderern" den Begriff "Radtour" weggenommen und damit auch die Chance, mit diesem gängigen Begriff um Teilnehmer und Mitglieder zu werben.

    Mir fehlt der Glaube, dass der BDR dies in absehbarer Zeit ändern wird. Ebenso wird der BDR sicherlich weiter Nicht-BDR-Mitglieder als "Hobby-Fahrer" herab titulieren. als ob B- und C-Lizenzfahrer etwas anderes täten, als ihrem Hobby zu frönen. Und die Jedermannrennen sind nicht für Jedermann offen, A- und B-Lizenzfahrer sind davon ausgeschlossen. Verwirrend? Ja - und kontraproduktiv dazu.

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  2. Hallo Helmut!
    Danke für Deinen Kommentar. Der BDR sollte mit der Zeit gehen. Eine sprachliche Anpassung an das, was ist und nicht was war, wäre schön. Ob Hobby- oder Lizensfahrer, ob Jedermann oder Amateur, wer soll das durchsteigen? Das wirkt verwirrend und abschreckend. Schade eigentlich.

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