Freitag, 13. März 2015

Aus dem Fuhrpark XII: Kettler City Hopper - ein lustiger Hüpfer für fast alle Fälle


Endlich! Dieses Rad suchte ich schon lange für meinen Fuhrpark: ein Kettler City Hopper. Nun ist es da. In Internet-Börsen wird das winzige Alurad zwischen 100 und 200 Euro gehandelt. Das war mir immer zu teuer. Nun konnte ein Schnäppchen machen. Für 70 Euro. Ich mag ja kleine Fahrräder. Und Konzeptfahrräder. Und skurrile Räder. Darum musste das Kettler her.
In einigen Internet-Foren wird sich lustig gemacht über diesen zweirädrigen Floh. Ein schlechter, instabiler Witz sei der Kettler City Hopper. Ich sag:e Quatsch! Dieses Rad war seiner Zeit voraus. Es ist ein interessantes Kleinrad, das mit ein paar Zugeständnissen auf Kurzstrecken gute Dienste leistet.

Ob für den Einkauf, eine Spritztour oder um vom Auto zu einem zugeparkten Ziel zu kommen - als wendiges Stadtrad ist das Kettler eine nette Lösung. Auch bei der Mitnahme in Bus und Bahn dürfte es wenig Anstoss erregen. Denn obwohl kein Klapprad, glänzt es mit extrem kleinen Abmessungen und wenig Gewicht. Hinten ist in der Eingang-Nabe ein 18 Zoll-Rad verbaut, vorn ein Zwölf-Zöller wie man von Kinderrädern kennt. Trotzdem hat der City Hopper einen optionalen XXL-Frontgepäckträger aus Kunstoff, hinten einen verschließbaren Kofferraum. Na, dämmert's? Dieses Rad glänzt wirklich mit ein paar innovativen Detaillösungen, die immer noch aktuell sind. Darum bin ich froh, dass der Floh nun zu meinem Fuhrpark zählt.

Die Firma Kettler wurde in den 70ern berühmt mit so diversen Produkten wie Tischtennisplatten und Hollywood-Schaukeln. Und Fahrrrädern. Vor allem die konsequente Verwendung von Aluminium als Werkstoff machte Kettler bekannt. Neben Stadt- und Rennrädern produzierte der Mittelständler auch Hometrainer. Alu galt nicht nur als Leichtgewichtsmaterial, sondern wurde für Kettler zum Markenzeichen. Irgendwann Ende der 70er Jahre tauchte der City Hopper im breiten Produktportfolio auf: winzig aber wendig und mit guter Zuladung; ein ideales Kofferraum- und Campingrad. Preis: knapp 400 Euro. Trotz dieser relativ hohen Summe wurden offenbar zahlreiche Exemplare verkauft. Denn auf dem Gebrauchtmarkt ist der City Hopper relativ häufig - ein Indiz für seinen damaligen Erfolg.

Technisch ist der City Hopper durchaus interessant. Im Rahmen aus Doppelrohr wurden Aero Coronado Kurbeln verbaut, die aus der Rennradtechnik stammen. Gleiches gilt für den Vorbau. Der vollverkleidete Kettenkasten sorgt dafür, dass Hosenbeine und Rock sauber bleiben. Ein gelber Reflektor auf dem Kettenblatt erhöht die Sichtbarkeit von der Seite. Ich finde: Der City Hopper ist gut durchdacht.

Viel gefahren bin ich noch nicht. Klar, der winzige Rahmen erfordert Zugeständnisse.  Sattel und Lenker liegen nah beieinander; die Spurhaltung ist nervös. Aber man kommt voran. Der riesige Frontgepäckträger nimmt reichlich Gepäck auf. In einer zeitgenössischen Werbung ist der City Hopper voll beladen mit Angler, Tennisspielerin, Segler, Reiterin und einem Großeinkauf aus dem Supermarkt zu sehen. Im Text wird das Rad sogar als Alternative zum Zweitwagen beworben. Na, das geht dann doch etwas zu weit. Aber als netter Allrounder für Kurztrips aller Art hat der City Hopper durchaus seine Qualitäten.

Kommentare:

  1. Moin!

    Hab meinen CityHopper mit einer 28-Loch Sachs-Torpedo-Dreigang-Nabe verbessert. Jetzt kommt man mit dem Leichtgewicht selbst steile Straßen mühelos hoch und kann im 3.Gang aber auch - ohne Nähmaschinentritt - mit normalen Stadtradlern mithalten.
    Kann ich nur empfehlen.

    Auf meinen werde ich irgendwann noch draufschreiben - "KEIN e-bike, dafür mit Kofferraum." Werde nämlich oft drauf angesprochen, ob es ein ebike sei. Das könnte das Rad für den einen oder anderen Langfinger uninteressant machen.

    Nutze das Rad in einer hügeligen Stadt mit knackigigen Anstiegen (BaWü) als dailydriver und bin damit auch schon mal eine 2StundenTour geradelt.

    Geiles Teil!

    Viel Freude daran!

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  2. Hallo zurück an den Anonym-Schreiber! Das mit der F&S-Torpedo-Dreigang-Nabe ist ein toller Tipp. Hatte auch schon an den Einbau einer Duomatic gedacht. Der City-Hopper ist wirklich ein spannendes Bike und aktueller den je. Vielleicht sillte Kettler das Teil wieder auflegen, um aus der wirtschaftlichen Schieflage zu kommen...

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  3. Schöner Artikel und eine gute Würdigung des Hoppers.
    Allerdings war der Preis seinerzeit nicht "knapp 400 Euro", sondern lag bei knapp 400 DM.

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  4. In diesem Bildband (The Bicycle Book) findet sich einen Großaufnahme des City-Hoppers:
    https://books.google.se/books?id=2ufuCwAAQBAJ&lpg=PA252&dq=Kettler%20City-Hopper&pg=PA170#v=onepage&q=Kettler%20City-Hopper&f=false

    Ich muss gestehen, Ihr habt mich so angefixt, ich hab' mir jetzt auch einen City-Hopper besorgt, allerdings habe ich das gute Stück noch nicht abgeholt. Ob der Gepäckträger vorn auch einen Kasten Limo in Glasflaschen (kein PET) aushält?

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    1. Ja, das funktioniert: [url=http://www.fotos-hochladen.net][img]http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/fullsizerenderoayx2dv1fg.jpg[/img][/url]

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    2. Großartig! Danke für das ebenso grüne wie aussagestarke Foto.

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